Genogramm-Symbole: Übersicht und Bedeutung
Welche Symbole werden für das Genogramm verwendet?
Ein Genogramm nutzt drei Arten von Symbolen: Formen für die Personen, Linien für Paare und Kinder und zusätzliche Linien für die emotionale Qualität der Beziehungen.
- Quadrat steht für einen Mann, Kreis für eine Frau, ein Kreuz im Symbol bedeutet verstorben.
- Durchgezogene Linie heißt Ehe, ein Schrägstrich Trennung, zwei Schrägstriche Scheidung.
- Zwei parallele Linien zeigen eine enge Beziehung, eine Zickzacklinie einen Konflikt.
- Die Grundsymbolik haben Monica McGoldrick und Randy Gerson 1985 systematisiert.
Die vollständige Übersicht mit Erklärung steht unten – zum Ausdrucken als Legende.
Ein Genogramm zeigt eine Familie meist über drei Generationen – mit einer eigenen Bildsprache. Wer sie kennt, sieht auf einen Blick, wer mit wem verheiratet war, wer verstorben ist und wo es Konflikte gibt. Die Symbole liegen in drei Ebenen übereinander: Formen stehen für Personen, Linien verbinden Paare und führen zu ihren Kindern, und emotionale Linien darüber zeigen, wie die Menschen zueinander stehen.
Die Grundsymbolik haben Monica McGoldrick und Randy Gerson 1985 systematisiert. Auf Deutsch liegt ihr Standardwerk unter dem Titel Genogramme in der Familienberatung vor. In der Sozialen Arbeit, der Jugendhilfe, der systemischen Beratung und der Familientherapie ist diese Notation am weitesten verbreitet. Viele Institute ergänzen sie um eigene Zeichen – deshalb gehört zu jedem Genogramm eine Legende, die erklärt, was welches Symbol bedeutet.
Eine Linie, mehrere Bedeutungen: gestrichelt und gepunktet
Die häufigste Verwechslung im Genogramm betrifft gestrichelte und gepunktete Linien. Sie haben keine feste Bedeutung – entscheidend ist, wo sie stehen.
| Linie | Waagerecht zwischen Partnern | Senkrecht zu einem Kind | Zwischen zwei Personen (emotional) |
|---|---|---|---|
| gestrichelt | Verlobung oder Lebensgemeinschaft | Adoptivkind | distanzierte Beziehung |
| gepunktet | Affäre / kurze Beziehung | Pflegekind | – (als Umrandung: gemeinsamer Haushalt) |
Tipp: Zeichnen Sie emotionale Linien in einer anderen Farbe als die Linien für Paare und Kinder. Dann ist sofort klar, welche Linie die Familienstruktur zeigt und welche die Beziehungsqualität.
Genogramm-Symbole – Legende · genogramtool.com/de/genogramm-symbole
Alle Genogramm-Symbole im Überblick
Eine leere Vorlage zum Ausfüllen gibt es als PDF-Genogramm-Vorlage. Symbole mit dem Hinweis im Tool können Sie im Genogramm-Tool direkt zeichnen. Die übrigen gehören zur Standardnotation, lassen sich im Tool aber noch nicht zeichnen.
Personen
Ein männliches Familienmitglied wird als Quadrat dargestellt.
Quadrat, Alter in der Mitte, Name darunter.
Ein weibliches Familienmitglied wird als Kreis dargestellt.
Kreis, Alter in der Mitte, Name darunter.
Je nach Symbolsammlung steht die Raute für eine Person mit unbekanntem Geschlecht oder für eine nicht-binäre Person. Welche Bedeutung gilt, gehört in die Legende.
Auf der Spitze stehendes Quadrat.
Die Person, um die es im Genogramm geht – meist die Klientin oder der Klient. Ihr Symbol bekommt eine doppelte Umrandung.
Das Symbol mit einer zweiten Linie nachziehen.
Eine verstorbene Person behält ihr Symbol. Es wird ein Kreuz (X) hineingezeichnet, das Sterbejahr steht oben rechts.
X durch Quadrat oder Kreis.
Paarbeziehungen
Eine durchgezogene Linie verbindet die Ehepartner. Bei Mann und Frau steht der Mann üblicherweise links. Das Jahr der Heirat steht an der Linie.
Durchgezogene Linie zwischen den Partnern.
Ein verlobtes Paar wird mit einer gestrichelten Linie verbunden.
Gestrichelte Linie zwischen den Partnern.
Ein Paar, das ohne Trauschein zusammenlebt. Gestrichelte Linie, das Jahr des Zusammenziehens kann daneben stehen.
Gestrichelte Linie zwischen den Partnern.
Ein getrenntes, aber nicht geschiedenes Paar. Ein Schrägstrich auf der Paarlinie.
Paarlinie mit einem Schrägstrich, Jahr dazu.
Ein geschiedenes Paar. Zwei Schrägstriche auf der Paarlinie.
Paarlinie mit zwei Schrägstrichen, Jahr dazu.
Eine kurze oder außereheliche Beziehung. Gepunktete Linie.
Gepunktete Linie zwischen den beiden Personen.
Kinder
Eine durchgezogene Linie führt von der Paarlinie zum Kind. Geschwister stehen nach Alter, das älteste links.
Durchgezogene senkrechte Linie.
Eine gestrichelte senkrechte Linie führt zum Kind.
Gestrichelte senkrechte Linie.
Eine gepunktete senkrechte Linie verbindet das Kind mit den Pflegeeltern.
Gepunktete senkrechte Linie.
Zwei Linien laufen von einem gemeinsamen Punkt auf der Geschwisterlinie zu den Kindern.
Zwei Linien aus einem Punkt.
Wie bei zweieiigen Zwillingen, zusätzlich verbindet ein Querbalken die beiden Linien.
Zwei Linien aus einem Punkt plus Querbalken.
Emotionale Beziehungen
Eine enge Beziehung. Zwei parallele Linien zwischen den beiden Personen.
Zwei parallele Linien.
Eine sehr enge, verstrickte Beziehung. Drei parallele Linien.
Drei parallele Linien.
Eine emotional distanzierte Beziehung. Eine dünne, gestrichelte Linie.
Dünne gestrichelte Linie.
Eine konflikthafte Beziehung. Eine Zickzacklinie.
Zickzacklinie.
Sehr nah und zugleich im Konflikt. Parallele Linien mit einer Zickzacklinie darüber.
Parallele Linien plus Zickzacklinie.
Der Kontakt ist abgebrochen. Eine Linie, die in der Mitte unterbrochen ist und dort zwei kurze Querstriche hat.
Linie mit Lücke und zwei Querstrichen.
Eine Person ist stark auf eine andere ausgerichtet – positiv, negativ oder beides. Linie mit Pfeilspitze.
Linie mit Pfeil zur fokussierten Person.
Körperlicher, emotionaler oder sexueller Missbrauch einer Person gegenüber einer anderen.
Gezackter Pfeil von der ausübenden zur betroffenen Person.
Schwangerschaft und Verlust
Eine bestehende Schwangerschaft wird als Dreieck gezeichnet.
Dreieck auf der Geschwisterlinie.
Eine Fehlgeburt wird als kleiner, ausgefüllter Kreis gezeichnet.
Kleiner gefüllter Kreis auf der Geschwisterlinie.
Ein Schwangerschaftsabbruch wird als kleines X gezeichnet, oft an einer kurzen Linie.
Kleines X auf der Geschwisterlinie.
Eine Totgeburt wird als etwas kleineres Personensymbol (Quadrat oder Kreis) mit einem X darin gezeichnet.
Kleineres Symbol mit X.
Krankheiten und Erbanlagen
Eine Erkrankung, eine Sucht oder eine erbliche Anlage wird gezeigt, indem man das Symbol ganz oder teilweise ausfüllt. Was die Füllung bedeutet, steht in der Legende.
Symbol ganz oder teilweise füllen.
Hat eine Person mehrere erfasste Erkrankungen, wird ihr Symbol in Viertel geteilt. Jedes Viertel steht für eine Erkrankung.
Symbol vierteln, jedes Viertel laut Legende füllen.
Haushalt und Daten
Eine gepunktete Linie umschließt alle Personen, die zusammenleben.
Gepunktete Umrandung.
Geburtsjahr oben links, Sterbejahr oben rechts, aktuelles Alter in der Mitte des Symbols.
Geburtsjahr links oben, Sterbejahr rechts oben, Alter innen.
Krankheiten, Sucht und psychische Erkrankungen markieren
Für einzelne Erkrankungen gibt es kein festes Symbol. Üblich ist, das Symbol der Person ganz oder teilweise auszufüllen und in der Legende festzuhalten, wofür die Füllung steht. Hat jemand mehrere Erkrankungen, teilen Sie das Symbol in Viertel. Drei Hinweise aus der Praxis:
- Tragen Sie nur ein, was für Ihre Fragestellung wichtig ist. Ein überladenes Genogramm ist schwer zu lesen.
- Kennzeichnen Sie Vermutungen deutlich als Vermutung – nicht jede Erzählung in der Familie ist eine gesicherte Diagnose.
- Die Legende gehört auf dasselbe Blatt wie das Genogramm.
Im Genogramm-Tool lassen sich Erkrankungen derzeit nicht als Füllung einzeichnen.
Geschlechtliche Vielfalt im Genogramm
Die klassische Symbolik kennt nur Quadrat und Kreis. Für trans- und nicht-binäre Personen sowie gleichgeschlechtliche Paare gibt es inzwischen Erweiterungen – in neueren Auflagen des Standardwerks und in den Symbolsammlungen einiger deutscher Weiterbildungsinstitute. Einheitlich sind diese Zeichen aber nicht: Dieselbe Raute bedeutet in einer Sammlung „Geschlecht unbekannt“, in einer anderen „nicht-binär“.
Stellen Sie Personen in ihrer gelebten Geschlechtsidentität dar und erklären Sie jedes erweiterte Zeichen in der Legende. Das Genogramm-Tool bietet derzeit Quadrat, Kreis und Raute.
Datenschutz: Was bei Genogrammen gilt
Ein Genogramm enthält fast immer sensible Angaben – Krankheiten, Suchterkrankungen, manchmal Religion oder sexuelle Orientierung. Das sind nach Art. 9 DSGVO besondere Kategorien personenbezogener Daten. Dazu kommt: Im Genogramm stehen auch Angehörige, die selbst nie gefragt wurden.
- Mit Einverständnis arbeiten: Klären Sie vorab, wofür das Genogramm genutzt und wo es aufbewahrt wird.
- Pseudonymisieren: Rollen oder Initialen statt voller Namen („Mutter“, „K.“) reichen für die Arbeit meist aus.
- Sparsam eintragen: nur Angaben, die für die Fragestellung nötig sind.
- Speicherort bewusst wählen: Papier gehört in einen abschließbaren Schrank, digitale Dateien in die Systeme, die Ihre Einrichtung dafür freigegeben hat.
So speichert das Genogramm-Tool
Ohne Konto bleibt Ihr Genogramm im lokalen Speicher Ihres Browsers, also auf Ihrem Gerät. Wenn Sie sich anmelden, wird es in Ihrem Konto auf unseren Servern gespeichert. Die KI-Funktion schickt den Text, den Sie eingeben, zur Verarbeitung an einen externen KI-Dienst (Anthropic) – beim Ergänzen eines bestehenden Genogramms auch dessen Namen und Beziehungen. Für Klientendaten empfehlen wir deshalb: ohne Konto arbeiten, keine KI-Funktion nutzen und Namen pseudonymisieren. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung (auf Englisch).
Diese Hinweise sind keine Rechtsberatung. Maßgeblich sind die Vorgaben Ihres Trägers oder Ihrer Einrichtung.
Genogramm direkt am Bildschirm zeichnen
Die Symbole mit dem Hinweis „im Tool“ zeichnen Sie im Genogramm-Tool direkt: Personen anlegen, Paare und Kinder verbinden, emotionale Beziehungen eintragen. Kostenlos bis 15 Personen; Export als PDF, PNG oder SVG (in der kostenlosen Version mit Wasserzeichen).
Genogramm erstellenLiteratur
Wie man mit dem Genogramm im Gespräch arbeitet, beschreibt die Seite Genogrammarbeit.
- Monica McGoldrick, Randy Gerson, Sueli Petry: Genogramme in der Familienberatung. 5., überarbeitete Auflage. Hogrefe, 2022, ISBN 978-3-456-86159-3.
- Bernd Roedel: Praxis der Genogrammarbeit. 6. Auflage. Verlag modernes lernen, Dortmund 2010, ISBN 978-3-86145-308-6.
Häufige Fragen
- Was bedeutet ein Kreuz im Genogramm?
- Ein Kreuz (X) im Symbol bedeutet, dass die Person verstorben ist. Die Form bleibt dabei gleich: Ein Quadrat bleibt ein Quadrat, ein Kreis bleibt ein Kreis. Das Sterbejahr steht oben rechts neben dem Symbol, das Geburtsjahr oben links.
- Wie wird eine Scheidung im Genogramm dargestellt?
- Mit zwei Schrägstrichen auf der Linie zwischen den Partnern. Ein einzelner Schrägstrich steht für eine Trennung ohne Scheidung. Das Jahr schreiben Sie an die Linie. Eine neue Partnerschaft bekommt eine eigene Paarlinie.
- Welche Linie steht für ein Pflegekind oder ein Adoptivkind?
- Ein Pflegekind ist über eine gepunktete senkrechte Linie mit den Pflegeeltern verbunden, ein Adoptivkind über eine gestrichelte. Leibliche Kinder haben eine durchgezogene Linie.
- Wie zeichnet man eine Fehlgeburt im Genogramm?
- Als kleinen, ausgefüllten Kreis auf der Geschwisterlinie. Ein Schwangerschaftsabbruch wird als kleines X gezeichnet, eine Totgeburt als etwas kleineres Personensymbol mit einem X darin.
- Wie stellt man Krankheiten im Genogramm dar?
- Indem man das Symbol der Person ganz oder teilweise ausfüllt. Was die Füllung bedeutet, steht in der Legende. Bei mehreren Erkrankungen wird das Symbol geviertelt. Ein festes Einzelsymbol für bestimmte Krankheiten gibt es nicht.
- Gibt es die Genogramm-Symbole als PDF?
- Ja. Über die Schaltfläche „Legende drucken“ auf dieser Seite öffnen Sie den Druckdialog Ihres Browsers. Dort können Sie die Symbolübersicht ausdrucken oder als PDF speichern.
- Sind die Genogramm-Symbole einheitlich festgelegt?
- Nicht verbindlich. Am weitesten verbreitet ist die Notation nach Monica McGoldrick. Viele Einrichtungen und Weiterbildungsinstitute ergänzen sie um eigene Zeichen, etwa für Patchworkfamilien oder geschlechtliche Vielfalt. Deshalb braucht jedes Genogramm eine Legende.
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